Cricosaurus bambergensis

Ein neues Meereskrokodil aus den Plattenkalken von Wattendorf.


Die Entwicklungsreihe der ausgestorbenen Meereskrokodile aus der Gattung Cricosaurus (Familie der Metriorhynchiden) konnte durch eine neue Art ergänzt werden: Cricosaurus bambergensis SACHS, YOUNG, ABEL & MALLISON, 2019.

Ein internationales Forscherteam um Sven Sachs (Gastwissenschaftler am Naturkunde-Museum Bielefeld) untersuchte ab 2017 die Fundstücke. In „Acta Palaeontologica Polonica 64“ wurden die Befunde 2019 veröffentlicht. Einige markante anatomische Merkmale am Skelett, die bei keiner der weltweit bekannten Arten nachzuweisen sind, waren die Grundlage, das Fossil als neue Art auszuweisen. Das Wattendorfer Skelett ist der Holotypus und das bisher einzige bekannte Exemplar der Art (NKMB-P-Watt14/274).

Der durch Feindangriff teilweise zermalmte Schädel blieb im Bereich der Schnauze unversehrt, wodurch die beiden ovalen Vertiefungen im Gaumen erhalten blieben, die durch einen erhabenen Steg voreinander getrennt sind. Die Funktion dieses bei Krokodilartigen bisher völlig unbekannten Merkmals können die Wissenschaftler noch nicht interpretieren. 
Im Bild unten rechts, sind die Ränder dieser Vertiefungen durch eine gepunktete Linie hervorgehoben.

Der Schwanz, der durch Feindeinwirkung abgetrennt wurde, weißt im Bereich der Schwanzbiegung (Flosse) eine Reihe von Merkmalen, die einzeln bei anderen Arten bekannt, in der vorliegenden Kombination jedoch einzigartig sind.

Die kleinen schlanken Echsen waren vollständig an das Leben im offenen Meer angepasst.  Die Extremitäten waren zu Paddeln umgebildet, die Augen auf die Seiten des Schädels gewandert, die Hautknochen komplett zurückgebildet und der seitlich abgeplattete Ruderschwanz hatte eine mehr oder weniger stark ausgebildete „Flosse“ entwickelt. Die Zähne haben in Richtung der Kieferäste einen „ovalen“ Querschnitt“, nach hinten Richtung Rachen sind sie gebogen und mit einen „Kiel“ an der Vorder- und Rückseite versehen. Diese Zahn-Merkmale eignen sich hervorragend zur Jagd auf Fische. Die Beweglichkeit, die Manövrierfähigkeit sowie das große Gesichtsfeld ermöglichte diesen Tieren die Jagd auf schnelle Beute, wie Fische und Belemniten, aber auch die eine oder andere kleinere Schildkröte gehörte möglicherweise zum Beutespektrum. 

Gefunden wurde das Fossil bei unserer Grabung im Juni 2014, siehe hierzu auch den Grabungsbericht „Die Plattenkalke von Wattendorf“. Noch im gleichen Jahr konnten beide Teile, Torso und Schwanz, präpariert und in der Sonderausstellung „Frankenland am Jurastrand“ im NKM Bamberg der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Ermöglicht wurde diese zeitnahe Präparation durch die großzügige Spende eines pensionierten Gymnasial-Lehrers.
In „Fossilien“ Heft 6, Okt./Nov. 2015 veröffentlichte Dr. M. Mäuser einen umfassenden Bericht zur Bergung und Präparation sowie den besonderen Umständen beim Auffinden der unabhängig voneinander geborgenen Fossilien-Teile.

Noch ein paar Bilder während der Bergung:

Große Aufregung am 5. Juni 2014.
Die Schwanzspitze eines Krokodils wurde aufgedeckt!
Nach dem Abheben weiterer Platten ist die Enttäuschung groß! Es ist „nur“ der hintere Teil des Schwanzes.  Ein Abschnitt mit 4 Wirbeln ist getrennt und versetzt eingelagert.

Nur 2 Tage später und etwa 7 m vom Fundort des Schwanzfragments entfernt wurden erneut Teile einer Echse freigelegt. Das Fossil liegt auf dem gleichen Fundhorizont wie der Krokodil-Schwanz!
Wie sich später herausstellte war der Krokodil-Torso tatsächlich zugehörig zum abgebissenen Schwanz. Die spitzen Vorreiter der Wirbelsäulen-Dornfortsätze legten die Zugehörigkeit zu Cricosaurus nahe.

Alle Plattenbruchstücke, auch im Umfeld des Krokodils, werden geborgen und auf Schaltafeln für den Transport vorbereitet.

 

Sponsoren gesucht.
Viele wissenschaftlich wertvolle Fundstücke sind noch im Depot des NKM Bamberg eingelagert und es kommen hoffentlich bei jeder neuen Grabung noch weitere Fund hinzu. Thomas Bechmann der geowissenschftliche Präparator des Museums ist aus Kapazitätsgründen nicht in der Lage alle Wattendorfer Fundstücke zeitnah freizulegen. Deshalb ist es notwendig externe Präparatoren zu beschäftigen. Die Kosten für dieses Arbeiten sind aber nicht aus dem Budget des Museums zu leisten. Wie schon in der
Vergangenheit sind hierfür Spenden von Sponsoren notwendig. Auch kleine Beträge helfen weiter!

Spenden bitte an:

Freunde des Naturkunde-Museums Bamberg e. V.
Iban: DE39 7705 0000 0302 9100 96 (Stadtsparkasse Bamberg)
Verwendungszweck: Spende für Fossilpräparation

Herzlichen Dank für die Unterstützung.

Veröffentlichungen:

Mäuser, M. (2014): Frankenland am Jurastrand-Versteinerte Schätze aus der Wattendorfer Lagune. Pfeil-Verlag, München.
SACHS, S., M. T. YOUNG, P. ABEL & H. MALLISON (2019): A new species of metriorhynchid crocodylomorph  Cricosaurus from the Upper Jurassic of southern Germany. – Acta Palaeontologica Polonica, 64 /2; S. 343-356,

9 Abb. – Warschau.

c-cfk 12. 2019

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