Urlaub auf Sardinien mit Freunden.

Während unseres Urlaubs auf Sardinien im Mai 2017 nahmen wir uns an einigen Tagen die Zeit unserem Hobby nachgehen. Vom ersten Urlaubsort, Torri di Bari, etwa in der Mitte der Ostküste von Sardinien gelegen, fuhren wir nach Westen ins Landesinnere. Durch eine atemberaubende Landschaft erreichten wir ein Gebiet mit permischen Ablagerungen (nach geologischer Karte)  wo wir unser Glück versuchen wollten. 

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Und wir hatten Glück! In den massenhaft herumliegenden schwarzen Hornstein-Brocken an beiden Seiten eines Höhenzugs fanden sich gelegentlich die silifizierten Relikte von permzeitlichen Hölzern, Schachtelhalmen und Farnen.
Bild links unten.


Carsten konnte schon nach kurzer Zeit den Superfund bergen, ein Stück aus dem Luftwurzelmantel eines Psaronius in einer traumhaften Ausbildung!
Bild rechts.

Seine weiteren Funde waren fotografisch schlecht zu erfassen und werden gegebenenfalls erst nach dem Schleifen und Polieren mit ein paar zusätzlichen Bildern hier noch eingefügt.

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Neben dem Sammeln von Fossilien in einer außergewöhnlichen Landschaft, sind uns auch Fotos von seltenen Insekten gelungen.
Außer der Haubenfangschrecke Empusa pennata, einem adulten männlichen Exemplar, (Bild links unten )
gelangen uns auch Aufnahmen von zwei Exemplaren der Heuschrecke Pamphagus sardeus. Diese für den westlichen Mittelmeerraum endemische Art bevorzugt dichtes Macchia-Buschwerk als Lebensraum (Bild rechts unten).

   

Nach einer Woche wechselten wir von Torri di Bari zu unserer zweiten Urlaubsadresse in La Ciaccia im Nordwesten von Sardinien.


Von hier aus unternahmen wir zwei Halbtagsexkursionen in das Fundgebiet der tertiären Hölzer und Algenstotzen, wobei wir uns auf die Region um Laerru , Martis, Bulzi und Perfugas beschränkten.

Bei Bulzi fanden wir die in der Literatur beschriebene Mariensäule am nördlichen Ortsausgang. Die Marienstatue thront auf einem ca. 3 Meter hohem Sockel aus Kieselhölzern, der auf einem Plateau (etwa 2 mal 2 Meter groß) aufbaut , das komplett aus Kieselhölzern zusammengesetzt ist. Auf diesem Sockel sind noch mehrere große Stammstücken aufgestellt, ergänzt wird das Arrangement durch einige Algenstotzen.

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In Perfugas
stand zunächst der Besuch des
Museo Archeologico e Paleobotanico
auf unserer Agenda. Im Museum sind Hölzer und Algenstotzen (vermutlich aus der Region) ausgestellt. Die Stücke sind ohne jegliche Beschreibung und etwas lieblos arrangiert, sowohl im Außenbereich, als auch die Exponate in den Vitrinen der Ausstellungsräume. Die Fundstücke des archäologischen Ausstellungsteils dagegen sind umfangreich und bestens beschrieben.

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Bilder oben links und mittig: eines der selteneren Fundstücke bei dem der silifizierte Holzkern im Algenmantel noch erhalten ist.
Bild oben rechts: ein großer, stark abgerollter Palmenrest.

   

Oben links: ein Hornstein-Brocken mir mehreren Algen umkrusteten „Kernen“. Der Pfeil zeigt einen besonderen „Kern“-Hohlraum mit markant längsgestreifter Seitenwand (Ausschnitt-Vergrößerung im Bild rechts).

Im Anschluss an den Museumsbesuch hatten wir noch eine große Freiland-Ausstellung (ein EU-Projekt) mit riesigen Algenstotzen auf dem „Schirm“, die südlich von Perfugas auf einem Hügel angelegt worden war.  Sofort ins Auge gefallen ist ein architektonisch anspruchsvoller hölzerner „Wandelgang“ auf dem Gipfel und ein „Gebäude“ (dazu passend) dem wir keinen Sinn zuordnen konnten. Riesige (hohle) Algenstotzen sind entlang der Umfassungsmauer aufgereiht. Ein Wegesystem das bis auf den Gipfel zum Wandelgang führt, war unter dem hochgewachsenen Gras kaum noch zu finden.
Etwas mehr Pflege und Achtung des Kulturgutes wäre sehr zu begrüßen. Leider ist der Zustand nachzuvollziehen, da sich nach Auskunft von Museumsmitarbeitern kein Einheimischer und nur sehr wenige Touristen für Kulturgüter interessieren.

   


Nun wollten wir aber auch selbst auf die Suche nach fossilen Hölzern oder kleinen Algenstotzen gehen. Nach längerem erfolglosem Suchen auf verschiedenen Berghängen, auf Weiden und abgeernteten Feldern wurden wir letztlich doch noch fündig.

Am Hang eines Hügels fanden wir einen großen Brocken, der komplett aus miteinander verbackenen schlanken Röhren bestand, die teilweise innen hohl oder auch mit einem Kieselsäure-Kern ausgefüllt waren (Bild links). Im Bild rechts unten eine Detail Aufnahme der Algenröhren.

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(Bild links) Am Fuße des Hügels, halb überwuchert an einem Feldrain entdeckten wir einen großen pilzförmigen Algenstotzen mit zwei Algenlagen. Auf der linken Bildseite der hohle „Stiel“ (erste Ablagerungsphase), rechts der „Hut“ stellt die zweite Ablagerungsphase dar.


Eine Schafweide auf halber Hang-Höhe brachte dann den gewünschten Erfolg. Carsten fand einzelne kleine Algen-Stotzen und -Röhren, die teilweise ein silifiziertes oder ein kalkiges „Innenleben“ aufwiesen. Auf Bruchstellen waren gelegentlich die aufeinanderfolgenden blumenkohlartigen Algenummantelungen in brauner Kieselsäure überliefert.  

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Ein Fundstück (ca. 9 cm lang), mittleres Bild, mit einem 1 bis 2 cm dickem unregelmäßigen Algenmantel um den silifizierten „Kern“ (ca. 2,5 cm Durchmesser) rechtes Bild. Auf der anderen Seite ragt der „Kern“ etwa 2 cm aus dem Algenmantel heraus. Sehr schön ist die längsgeriefte Oberfläche
dieses unbedeckten Kernabschnitts zu erkennen. Vermutlich handelt es sich um Schilfstängel.

     

Nachdem wir bei einer intensiven Bearbeitungs-Aktion, Anfang August, die Fundstücke nach dem Sägen sichten und bewerteten konnten, können nun einige Stücke vorgestellt werden.

   

Bild oben links;
die bearbeiteten Algenstotzen. Die Größe geht von 4 cm Durchmesser bis 10 cm Durchmesser. Der umgebende Algenmantel ist in kalkiger, die „Kerne“ in silifizierter Fazies erhalten.
Bild oben rechts und unten;
Die Schilfstängel? mit den umgebenden Algenkrusten in teilweise silifizierter (in verschiedenen Brauntönen) und teilweise kalkiger (in beiger, poröser) Erhaltung. Schön sind die einzelnen Wachstumsringe im Algenmantel zu erkennen.

    

Bild rechts:
In einem größeren Algenbrocken deckte eine partielle Abplatzung einen kleinen Teil eines Rhizoms auf. Erkennbar sind die Rippengürtel mit Leitbündelaustritten am Rhizom.

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Auch zwei relativ unscheinbare Hornsteinbrocken von der Perm-Fundstelle zeigten nach dem Schleifen und Polieren ein überraschend attraktives „Innenleben“. Teile von Psaronius Stämmen mit partiell gut erhalten Luftwurzelmantel und stark komprimierten inneren Leitbündeln bereichern nun unsere Sammlungen.

   

Mit etwas Glück konnten wir, bemessen an dem geringen Aufwand den wir betrieben haben, ein überaus erfreuliches Sammelergebnis erzielen.

c-cfk Aug. 2017

 

Gepostet in Berichte, Exkursionsberichte

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