Die Quaderkalk-Sonderfazies bei Kirchheim

am Übergang des Oberen Muschelkalk zum Unteren Keuper.

Eine unserer gemeinsamen CFK-Exkursionen führte uns im September 2015 nach Kirchheim (südlich von Würzburg gelegen). Jürgen Sell vom Muschelkalk Museum Euerdorf hatte sich dankenswerterweise bereit erklärt uns in die regionale Muschelkalk-Sonderfazies einzuführen. Jürgen hatte für die Exkursion die Begehungserlaubnis für einige Steinbrüche in der Umgebung eingeholt.

 

Im Kirchheimer Kalksteinwerk sind die hangenden Schichten über dem oberen Hauptquaderhorizont optimal stratigraphisch zuzuordnen. Unser Augenmerk richteten wir bei dieser Exkursion vor allem auf die Bonebeds (vom Top des Quaderhorizonts bis in den Ostracodenton) und auf die ob. Terebratelbank (dominiert von Coenothyris vulgaris).
Der Quaderkalk besteht aus Schillkalken, aufgebaut aus ungeheuren Massen von Schalenbruchstücken (Muschel- und Brachiopoden-Reste), gebunden von unterschiedlicher Porenmatrix. Das Schichtpaket besteht im regionalen Ablagerungsgebiet südlich von Würzburg aus mehreren Bänken die sich deutlich in der Zusammensetzung unterscheiden können. Auf der Schichtoberseite sind gelegentlich dünne Bonebeds aufgelagert.
Namensgebend für den Quaderkalk ist ein regional stark ausgeprägtes Kluftnetz das die Schichten vertikal durchzieht. In der horizontalen Ebene sind die Klüfte im Netz annähernd senkrecht zueinander ausgerichtet. Ursächlich dafür wird eine Kombination von tektonischer Dehnungsbeanspruchung in der einen Richtung und einer Biegebeanspruchung in die andere Richtung angenommen.

 

k800_kircheFür die Herstellung der hochwertigen „Werkstein“-Produkte kann kein verwitterter Quaderkalk verwendet werden, deshalb werden in allen besuchten Aufschlüssen dicke auflagernde Keuper-Deckschichten in Kauf genommen. Hergestellt werden Bodenbeläge, Fassadenplatten, Fensterbänke, Steine für den Garten- und Landschaftsbau, Treppenstufen usw.. Wegen der außergewöhnlichen physikalischen, chemischen und optischen Eigenschaften des Rohstoffs werden die Produkte seit Jahrhunderten weltweit vertrieben. Eingesetzt wurden die Steine in der Vergangenheit für den Bau zahlloser Wohnhäuser in den Dörfern der Region, dem Berliner Olympiastadion, der Festung Marienberg in Würzburg, Gebäude auf der Museumsinsel in Berlin wurden daraus errichtet und zahlreiche weitere Großbauten im In- und Ausland. Neben diesem trivialen Verwendungszweck, wird und wurde der Stein auch von Bildhauern für Skulpturen und Denkmale verwendet.k800_haus-1


Bild oben: Ein Wohnhaus mit architektonisch und optisch anspruchsvollem Einsatz des Quaderkalk-Mauersteins.

Bild links: Die katholische Kirche St. Josef in Giebelstadt ist komplett aus dem regionalen Quaderkalk gebaut.

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Die Exkursion:

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Auf der Sohle des Bruchs ist der Schichtstoß
des Hauptquaderkalks zu erkennen.
Bevor dieser Werkstein abgebaut werden kann,
muss das 15-20m hohe Abraumpaket (Unterer Keuper)
im Hangenden abgetragen werden!
In Blockhalden aufgehäufte Quaderkalk-brocken,
die zur Verarbeitung bereit liegen.
Auf der Schichtoberseite findet sich
gelegentlich ein dünnes Bonebed.

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Die Verarbeitung des Rohmaterials zu Mauersteinen und Pflastersteinen erfolgt teilweise direkt in den Steinbrüchen.
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Mittels großer hydraulischer Steinpressen werden die rohen Platten auf die Größe formatiert, die für den jeweiligen Verwendungszweck erforderlich ist. Der begehrte Baustoff wird heute vorrangig als Pflaster, Bau- und Mauer- Stein und in Plattenform usw. verwendet. In vergangen Jahrhunderten fand er weltweite Verwendung bei Prunk-und Großbauten, Brücken und auch bei Kunstobjekten.

Jürgen erklärt die lithostratigraphische Folge
der gut erkennbaren Ablagerungspakete in der Aufschluss-Wand.
Im Ostracodenton suchen wir nach
den dünnen festeren Bänkchen mit Conchostraken, Ostrakoden
sowie nach eingeschalteten dünnen Bonebeds mit Fischresten.

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Insbesondere beim mühevollen Absuchen der zahllosen steilen Abraumhalden findet man immer wieder mal das eine oder andere interessante Stück. 

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Zu guter Letzt hat uns das Wetterglück verlassen
und wir mussten im Regen zu unseren Autos marschieren.

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Fundstücke direkt im Aufschluß:
Ceratites cf. semipartitus auf der Oberfläche eines Blocks
aus dem oberen Hauptquaderhorizont.
Ein Handstück aus der oberen Terebratelbank
mit Coenothyris vulgaris,
teilweise in Lebendstellung und mit Farberhaltung.

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Noch ein Stück aus der Terebratelbank.
Rechts tritt das Ende eines großen Knochen (ca. 20 cm lang)
an die Oberfläche (vermutlich ein Humerus). 
Platte aus der Oberen Terebratelbank mit
einigen Muscheln Enantiostrea difforme.
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Fundstücke nach der Präparation:

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Zahn, ca. 1,6 cm lang
von Acrodus cf. lateralis.
Ostracodenton
Fang-Zahn ca. 1.7 cm
von Nothosaurus sp.
Ostracodenton

Zahn von Saurichthys sp.
zwischen div. Fischschuppen.
Ostracodenton

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Zahn ca. 0,7 cm von
Acrodus lateralis.
Ostracodenton

Innenansicht der Stielklappe
von Coenothyris vulgaris.
Obere Terebratelbank

Plättchen 4*4cm mit zahlreichen
Muschelschalern (Conchostraca)
Euestheria minuta.
Ostracodenton

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Ein Haiflossen-Stachel  ca. 6cm lang
vermutlich
Asteracanthus ornatissimus
vom Top des Quaderkalkes.
Für Bestimmungshilfe wäre ich dankbar.
Nahaufnahme der “Zähnchen”-Struktur auf der Oberfläche.  

Eine Begehungserlaubnis für die Steinbrüche ist grundsätzlich einzuholen!!

c-cfk 01.2016

Gepostet in Exkursionsberichte

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